Donnerstag, 10. Mai 2007

Aus zweiter Hand

(Archiv: 25. Oktober 2006)

Ich weiß nicht, ob es bei anderen Zeitungen auch so ist, aber bei der WAZ muss man schon andere Medien durchforsten, um etwas über das eigene Haus zu erfahren. Interne Kommunikation war noch nie die Stärke dieses Kommunikationsunternehmens. Auch im ersten Jahr der Reitz-Regentschaft hat sich da nicht viel geändert, über seine Ziele spricht der Chefredakteur dagegen gern außer Haus. So auch jetzt bei den Münchener Medientagen, wo auch der WAZ-Chef seinen Auftritt hatte.
Während Online-Chefredakteurin Katharina Borchert (auch in München dabei) in ihrem Blog nur beiläufig über die Visionen von Holtzbrinck-Geschäftsführer Prof. Michael Grabner berichtet, findet Reitz keine Erwähnung. Dabei saßen beide auf dem selben Podium, als es beim „Printgipfel“ um „Neue Wettbewerber, neue Produkte, neue Bedingungen“, sprich um die Zukunft der Zeitung ging.
Über die Zukunfts-Vorstellungen des regierenden WAZ-Chefredakteurs (Verabschiedung bei Volontären: „Ich muss jetzt regieren gehen.“) berichtet, so mein Informationsstand, halbwegs ausführlich lediglich „epd Medien“ (auch die WAZ zitiert Reitz) unter dem Titel „Seriöser Bürgerjournalismus ist möglich“. Dabei soll sich Reitz mit seiner „Bürger-Variante“ deutlich von den Boulevard-Zeitungen und ihren Paparazzi-Aktionen abgegrenzt haben. (Ich glaube ihm einfach mal, dass er das ernst meint und demnächst wirklich keine aufgestachelten WAZ-Leser-Reporter mit ihren Foto-Handys herumwedeln.)
Laut epd sieht er vielmehr Leser als mögliche „Trendscouts“, die der Zeitung rechtzeitig melden, wo die neuen Themen in der Stadt lägen. Da kann ich mir nur verwundert die Augen reiben, ob ich richtig gelesen habe. Lieber Chefredakteur: Auch in Lokalredaktionen gibt es Telefon, Fax und E-Mail und die Leser machen auch Gebrauch davon. Noch wichtiger ist der persönliche Kontakt, wenn man mit Block und Stift tatsächlich „in die Kundschaft“ geht. (Soweit der Arbeitsdruck das zulässt.) Selbst abends an der Theke (einer Ruhrgebietskneipe, nicht in einer trendigen Szene-Bar) bleibt bei einem Redakteur noch manches zwischen den Ohren hängen. Guter Lokaljournalismus, wenn man ihn engagiert betreibt, ist auch heute schon keine Einbahnstraße. Aber vielleicht muss ich mich ja gar nicht angesprochen fühlen und die „Trendscouts“ sollen den Mantelredaktionen auf die Sprünge helfen.
Alle Kollegen geht es allerdings an, wenn der Chef an die schöne neue Zeitungswelt denkt. epd: „Gleichzeitig müsse sich in den nächsten fünf Jahren das journalistische Berufsbild völlig ändern, forderte Reitz. Die Redakteure sollten jederzeit bereit sein, ,crossmedial’ zu denken und Ideen haben, wie sie ihre Neuigkeiten gedruckt, online und auf weiteren Wegen zum Publikum bringen...Reitz sieht den Zeitungsredakteur von morgen als ,Channel-Manager’ der mehrere Kanäle bediene und einen Kollegen, der eine Pressekonferenz besucht hat, noch vor der Mittagspause dazu bringe, zunächst ,160 Zeichen als SMS’ an die Abonnenten von Handy-Infodiensten zu senden.“ Wenn’s mehr nicht ist, auch das kriegen wir hin. Haben wir in den letzten Jahren schon gelernt, Setzer, Korrektoren und Layouter zu ersetzen, warum sollen wir nicht auch noch SMS-Dienste oder den Online-Bereich in die Redaktion holen.
Allein, das lässt sich nicht alles „mal eben mit links“ erledigen – zusätzliche Aufgaben kosten auch Zeit. Und Pressekonferenzen sind zumindest in der Lokalredaktion nicht der „Normalfall“ . Gute Geschichten brauchen sorgfältige Recherchen – die sind nicht in ein paar Minuten zwischen Online- und SMS-Dienst zu bewerkstelligen. Qualität (immer wieder von Reitz eingefordert) kostet vor allen Dingen Zeit. Gibt es eine gute Personalausstattung und ein vernünftiges Redaktions-Management, sehe ich hier keine Probleme.
Nicht ganz so sicher bin ich mir, ob alle Kollegen dem Innovationsdrang des Chefredakteurs folgen können und wollen. Ich behaupte, dass viele noch nicht einmal die bisher grottige WAZ-Homepage richtig wahrgenommen haben, geschweige die Online-Präsentation ihrer eigenen Artikel kennen. Blog, podcast oder community, alles böhmische Dörfer. Das ist, entgegen allen Vorurteilen, nicht vom Alter abhängig, denn der „crossmedialste“ Kollege, Bernd Kassner, zählt immerhin schon zur Generation der „Silversurfer“. Wenn es in der Reitz’schen Zukunft nicht lauter Heizer auf der E-Lok geben soll, ist noch ein hohes Maß an Überzeugungsarbeit nötig. „Crossmediales“ Denken kann man auch als „Regierender“ nicht anordnen.
Vielleicht wäre es in diesem Sinne hilfreich, das Mittel der internen Kommunikation besser zu nutzen. Ich träume da von einem hausinternen Blog der Chefredaktion. Da würden selbst manche Web-Ignoranten aus lauter Neugier lernen, mit dem ganzen ach so fremden Online-Dingsbums umzugehen.

Kommentare:

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