(Archiv: 15. September 2006)
Still ruht zur der See, wenn es um die Online-Aktivitäten des Hauses geht. Zumindest der Flurfunk meldet dem einfachen Print-Redakteur keine Neuigkeiten. Die WAZ-Blogger üben weiterhin blind vor sich hin und Lyssa, so hört man, ist weiter auf dem Marsch durch die Institutionen, um die Häuptlinge der Verschiedenen Zeitungstitel vom Projekt Westeins zu überzeugen. Wir Schreib-Indianer sind bisher nicht betroffen. „Cross-medial“ ist noch ein Fremdwort, das bis jetzt lediglich in Stellenausschreibungen vorkommt.
Zeit also sich auf das Kerngeschäft, Schreiben für die Print-Ausgabe, zu konzentrieren. Und da geht es uns fast so ähnlich wie den WAZ-Bloggern, auch wir wissen nicht, wer uns warum liest. Zwar haben wir im Gegensatz zu den bloggenden Kollegen wenigstens mehr oder weniger kontinuierliche Kontakte zu Lesern (Briefe, Mails, Telefongespräche), aber ob wir mit der Themen- und Nachrichtenauswahl wirklich richtig liegen, wissen auch wir nicht. Das Instrument Reader-Scan wird bei uns (glücklicherweise, sonst könnten wir den Lokalteil ja wohl dichtmachen) nicht eingesetzt.
In diesem Zusammenhang ist es schon interessant, welche Meinungen Außenstehende haben. Da meint doch der Holtzbrink-Chef Grabner laut Standard, wir Zeitungs-Journalisten schrieben am Leser vorbei, da wir viel zu oft den Einflüsterungen der Politik erliegen würden. Beim Lokalteil möchte ich das erstens bezweifeln und zweitens darauf hinweisen, dass hier viele politische Entscheidungen den Leser unmittelbar treffen. Ein Bundeswehr-Einsatz im Libanon trifft den Bürger nicht so unmittelbar wie die Schließung von Schwimmbädern vor der Haustür.
Wenigstens stärkt Grabner uns Zeitungs-Redakteuren den Rücken, indem er uns die Rolle zuweist, über das Informations-Tohuwabohu einen Filter zu legen. Von Blogs hat Grabner offensichtlich keine hohe Meinung. Laut Standard glaube er nicht, dass die Meinung der Mehrheit der Bloggenden zum Maßstab werde. Schade eigentlich.
Donnerstag, 10. Mai 2007
Wiedersehen
(Archiv: 10. September 2006)
„Sie haben sich aber gar nicht verändert.“ Ich bin einmal gespannt, ob das Brecht-Zitat auch für eine ehemalige Kollegin gilt.
Vor 20 Jahren verließ die engagierte Umwelt-Schützerin Eva Goris ihren Reporter-Job bei der WAZ, um Pressesprecherin bei Greenpeace-Deutschland zu werden. Das war für alle Kollegen bei ihrer kritischen Einstellung nur folgerichtig. Aber als sie dann zu „Bild der Frau“ und 1990 schließlich zur Bams wechselte, war das nicht nur für mich erstaunlich. Na gut, sie brachte den Blöd am Sonntag-Lesern die Erkenntnis nahe, dass es tatsächlich so etwas wie „Umwelt“ gibt sie schaffte es, für das Sonntags-Blatt ungewohnte Umwelt-Themen zu platzieren und erntete dafür, für ihr kritisches Ernährungs-Buch und ihr Umwelt-Engagement sogar Preise.
Jetzt werde ich die Kollegin wiedersehen und zwar ausgerechnet beim Schmuse-Talker Johannes B. Kerner. Am Mittwoch, 13. September, 22.45 Uhr soll sie laut Prisma auf der Gästeliste stehen. (Komischerweise stehen beim ZDF andere Gäste auf dem Plan. Ich lasse mich überraschen) Bin mal gespannt, ob die Arbeit beim Blöd-Konzern wie 16 Jahre Springer ihre Haltung beeinflusst haben.
Liebe Eva, hoffentlich hast Du dich nicht zu sehr verändert! (Herr Keuner möge mir verzeihen.)
„Sie haben sich aber gar nicht verändert.“ Ich bin einmal gespannt, ob das Brecht-Zitat auch für eine ehemalige Kollegin gilt.
Vor 20 Jahren verließ die engagierte Umwelt-Schützerin Eva Goris ihren Reporter-Job bei der WAZ, um Pressesprecherin bei Greenpeace-Deutschland zu werden. Das war für alle Kollegen bei ihrer kritischen Einstellung nur folgerichtig. Aber als sie dann zu „Bild der Frau“ und 1990 schließlich zur Bams wechselte, war das nicht nur für mich erstaunlich. Na gut, sie brachte den Blöd am Sonntag-Lesern die Erkenntnis nahe, dass es tatsächlich so etwas wie „Umwelt“ gibt sie schaffte es, für das Sonntags-Blatt ungewohnte Umwelt-Themen zu platzieren und erntete dafür, für ihr kritisches Ernährungs-Buch und ihr Umwelt-Engagement sogar Preise.
Jetzt werde ich die Kollegin wiedersehen und zwar ausgerechnet beim Schmuse-Talker Johannes B. Kerner. Am Mittwoch, 13. September, 22.45 Uhr soll sie laut Prisma auf der Gästeliste stehen. (Komischerweise stehen beim ZDF andere Gäste auf dem Plan. Ich lasse mich überraschen) Bin mal gespannt, ob die Arbeit beim Blöd-Konzern wie 16 Jahre Springer ihre Haltung beeinflusst haben.
Liebe Eva, hoffentlich hast Du dich nicht zu sehr verändert! (Herr Keuner möge mir verzeihen.)
Stellenabbau
(Archiv: 6. September 2006)
Das hört sich nicht gut an, was bei einem großen Mitbewerber so geplant ist. So berichtet die FTD von einem erheblichen Stellenabbau bei Springer.
Einst spottete man in Brachenkreisen über die äußerst sparsame WAZ, jetzt freut man sich ja fast über die immer schon ziemlich "schlanke" Personalpolitik.
Das hört sich nicht gut an, was bei einem großen Mitbewerber so geplant ist. So berichtet die FTD von einem erheblichen Stellenabbau bei Springer.
Einst spottete man in Brachenkreisen über die äußerst sparsame WAZ, jetzt freut man sich ja fast über die immer schon ziemlich "schlanke" Personalpolitik.
Wir werden cross-medial
(Archiv: 5. September 2006)
Es tut sich was bei der Umstrukturierung der WAZ im Ostvest und in Sachen Online. Inzwischen hängen im Haus die Ausschreibungen für die neue Regional-„Zentral“-Redaktion Recklinghausen aus. 28 Redakteurs- und Sekretariatsstellen sollen rund um den geplanten Newsdesk besetzt werden. Ihre Aufgabe sei es, so die Ausschreibung, „eine in Form und Inhalt moderne, attraktive Regionalzeitung für den Kreis Recklinghausen“ zu machen.
Auf das hausinterne Personalkarussell können nicht nur die Mitarbeiter aus den zu schließenden Ostvest-Redaktionen aufspringen, die Ausschreibung gilt für alle WAZ-Redakteure.
Auffallend ist, da bereitet man sich wohl auf die schöne neue Web2.0-Welt vor (Lyssa lässt grüßen), dass zu den Einstellungsvoraussetzungen die „Fähigkeit und Bereitschaft, auch den Online-Auftritt zu gestalten“ gehört.
Diesen Arbeitsschwerpunkt haben auch die neuen Planstellen, die in sechs anderen Lokalredaktionen geschaffen werden. „Cross-medial“ ist dabei das Schlüsselwort.
Auch Lyssas Reich soll zumindest bei der WAZ wachsen, die Online-Redaktion wird um zwei Köpfe verstärkt.
Ein gewisses Aufatmen ist in den Redaktionsfluren zu vernehmen. Das Haus scheint offensichtlich sein Versprechen, trotz Redaktionsschließungen keine Planstellen abzubauen, zu halten.
Es tut sich was bei der Umstrukturierung der WAZ im Ostvest und in Sachen Online. Inzwischen hängen im Haus die Ausschreibungen für die neue Regional-„Zentral“-Redaktion Recklinghausen aus. 28 Redakteurs- und Sekretariatsstellen sollen rund um den geplanten Newsdesk besetzt werden. Ihre Aufgabe sei es, so die Ausschreibung, „eine in Form und Inhalt moderne, attraktive Regionalzeitung für den Kreis Recklinghausen“ zu machen.
Auf das hausinterne Personalkarussell können nicht nur die Mitarbeiter aus den zu schließenden Ostvest-Redaktionen aufspringen, die Ausschreibung gilt für alle WAZ-Redakteure.
Auffallend ist, da bereitet man sich wohl auf die schöne neue Web2.0-Welt vor (Lyssa lässt grüßen), dass zu den Einstellungsvoraussetzungen die „Fähigkeit und Bereitschaft, auch den Online-Auftritt zu gestalten“ gehört.
Diesen Arbeitsschwerpunkt haben auch die neuen Planstellen, die in sechs anderen Lokalredaktionen geschaffen werden. „Cross-medial“ ist dabei das Schlüsselwort.
Auch Lyssas Reich soll zumindest bei der WAZ wachsen, die Online-Redaktion wird um zwei Köpfe verstärkt.
Ein gewisses Aufatmen ist in den Redaktionsfluren zu vernehmen. Das Haus scheint offensichtlich sein Versprechen, trotz Redaktionsschließungen keine Planstellen abzubauen, zu halten.
Dienstag, 8. Mai 2007
Alpen-Blick
(Archiv: August 2006)
So lange hier unter Lyssas Regie am neuen Web-Portal gearbeitet wird, schaut man sich auch mal um, was andere Neustarter so machen. Mit viel Tamtam startet ja morgen in Österreich die neue Zeitung der Fellner-Brüder. Zum neuen Druckwerk, das ganz bescheiden den Namen "Österreich" trägt startet auch das Internet-Portal "oe24".
Noch kann man ja über den Content noch nichts sagen (ganz verschämt habe ich den Begriff blog entdeckt), aber vom Design wirkt es wie eine poppiger gestaltete WAZ-Startseite. Wenn das innovativ sein soll, ich weiß ja nicht.
So lange hier unter Lyssas Regie am neuen Web-Portal gearbeitet wird, schaut man sich auch mal um, was andere Neustarter so machen. Mit viel Tamtam startet ja morgen in Österreich die neue Zeitung der Fellner-Brüder. Zum neuen Druckwerk, das ganz bescheiden den Namen "Österreich" trägt startet auch das Internet-Portal "oe24".
Noch kann man ja über den Content noch nichts sagen (ganz verschämt habe ich den Begriff blog entdeckt), aber vom Design wirkt es wie eine poppiger gestaltete WAZ-Startseite. Wenn das innovativ sein soll, ich weiß ja nicht.
Ungezählte Besucher
(Archiv: 29. August 2006)
Wenn manche es auch anders sehen, ich weiß, was ich hier mache: Aus der Deckung mit kleinen bits und bytes auf den großen Tanker WAZ schießen. Und es gibt offensichtlich ein gewisses Interesse an diesem Spielchen in der Blog-Welt. Das kann ich zumindest an den Besucherzahlen dieser Seite feststellen. (Mit vielen Mühen ist es mir endlich gelungen einen Counter zu installieren, ohne gleich die ganze Seite zu zerschießen. Warum kenne ich bloß keine erfahrenen Blogger persönlich?)
Aber nun gut, ich kann wenigstens sehen, dass ich nicht ins Nirwana blogge. Da geht es mir wesentlich besser, als meinen offiziell bei der WAZ bloggenden Kollegen. Die bekommen nicht nur äußerst selten Kommentare (die würden sich sogar über Verrisse negatives feedback freuen), sie wissen auch nicht, wie viele Besucher ihre Seiten haben. Es ist kaum zu glauben, aber es gibt (das versicherte mir ein Software-Experte aus dem Haus) kein umfassendes Zähl-Dings Statistik-Tool für einzelne Seiten.
Die Kollegen „ber“ und Peter können also nie wissen (vermutlich will es der Chef auch gar nicht wissen), wie viele Besucher ihre Blogs haben, geschweige denn etwas über Referrer oder andere nützliche Daten erfahren. So ist das in einem großen alten Tanker Kommunikationsunternehmen.
Da gibt es noch viel zu tun für Lyssa Katharina Borchert, bevor die WAZ ins Web2.0 katapultiert gebracht werden kann.
Vielleicht liegt es eben daran, dass sich auf uns Zeitungsleute die Online-Aktivitäten noch nicht konkret ausgewirkt haben, (Lyssa hat der Lokalredaktion noch keinen Besuch abgestattet) mal abgesehen von den wenigen Redakteurs-Blogs und meinem kleinen Freizeit-Vergnügen.
Wenn manche es auch anders sehen, ich weiß, was ich hier mache: Aus der Deckung mit kleinen bits und bytes auf den großen Tanker WAZ schießen. Und es gibt offensichtlich ein gewisses Interesse an diesem Spielchen in der Blog-Welt. Das kann ich zumindest an den Besucherzahlen dieser Seite feststellen. (Mit vielen Mühen ist es mir endlich gelungen einen Counter zu installieren, ohne gleich die ganze Seite zu zerschießen. Warum kenne ich bloß keine erfahrenen Blogger persönlich?)
Aber nun gut, ich kann wenigstens sehen, dass ich nicht ins Nirwana blogge. Da geht es mir wesentlich besser, als meinen offiziell bei der WAZ bloggenden Kollegen. Die bekommen nicht nur äußerst selten Kommentare (die würden sich sogar über Verrisse negatives feedback freuen), sie wissen auch nicht, wie viele Besucher ihre Seiten haben. Es ist kaum zu glauben, aber es gibt (das versicherte mir ein Software-Experte aus dem Haus) kein umfassendes Zähl-Dings Statistik-Tool für einzelne Seiten.
Die Kollegen „ber“ und Peter können also nie wissen (vermutlich will es der Chef auch gar nicht wissen), wie viele Besucher ihre Blogs haben, geschweige denn etwas über Referrer oder andere nützliche Daten erfahren. So ist das in einem großen alten Tanker Kommunikationsunternehmen.
Da gibt es noch viel zu tun für Lyssa Katharina Borchert, bevor die WAZ ins Web2.0 katapultiert gebracht werden kann.
Vielleicht liegt es eben daran, dass sich auf uns Zeitungsleute die Online-Aktivitäten noch nicht konkret ausgewirkt haben, (Lyssa hat der Lokalredaktion noch keinen Besuch abgestattet) mal abgesehen von den wenigen Redakteurs-Blogs und meinem kleinen Freizeit-Vergnügen.
Das ultimative Interview - Mein lieber Schwan
(Archiv: 28. August 2006)
Interviews gehören für einen Zeitungs-Redakteur zum alltäglichen Leben. Mit wievielen Fragen ich bisher meine Gesprächspartner genervt habe, weiß ich schon nicht mehr. Um so spannender ist es, wenn man selbst zum Objekt der Wissbegierde wird.
So ist es mir jetzt gegangen, Ben Schwan hat sich Im Mediendschungel an mich herangemacht. Die Fragen sind, so mein Eindruck, als Provokation gedacht sicher investigativ gemeint. Hier der Wortlaut: (Ich konnte es nicht lassen, das ganze auch hier zu bringen, sorry Ben!)
(Aktuelle Anmerkung: Ben Schwan hat seinen Mediendschungel inzwischen abgeschaltet)
Im Mediendschungel: Zuerst einmal die wichtigste aller Fragen - warum glaubst Du, antwortet Katharina "Lyssa" Borchert diesem wunderbaren Weblog nicht? Nerve ich einfach zu sehr? Hat Sie Angst vor den bohrenden Fragen?
WAZsolls: Ich glaube an die einige katholische...Warum wer wem antwortet (zu früh, zu spät oder gar nicht) ist sicher keine Glaubensfrage. Da ich aus verständlichen Gründen Lyssa dazu nicht befragen werde, kann ich nur sagen: Ich weiß es nicht. Aber da Glauben bekanntlich Berge versetzt, lass uns glauben, dass sie bald antwortet.
Im Mediendschungel: Wenn Du uns in einigen Sätzen erläutern könntest, wie die ersten Wochen unter Frau Borchert aussahen, wären wir Dir sehr verbunden.
WAZsolls: Wie es unter Frau Borchert aussah...entzieht sich meiner Kenntnis, mein Redaktionsbüro liegt über ihr. Aber im ernst, für die Print-Kollegen hat sich nichts geändert, unser Chef heißt weiterhin Ulrich Reitz. In Kontakt kamen bisher nur die bloggenden Kollegen, die von ihr aufmunternde Mails erhielten.
Im Mediendschungel: Warst Du positiv überrascht von so viel
jugendicher Energie? Oder merkt man, dass Ihr Papa der langweilige Ex-Landwirtschaftsminister Borchert ist?
WAZsolls: Langweiliger Vater? Ich hab den mal in Wattenscheid im Wahlkampf erlebt und kann nur sagen, auch bodenständige Landwirte sind nicht ganz ohne. Aber wie ich schon in meinem Blog erwähnte, geht Frau Borchert erfrischend unkonventionell mit Hierarchien um. Wenn sie nicht gerade im Konzern unterwegs ist, kann man ohne einen Sekretariats-Zerberus überwinden zu müssen, einfach mal bei ihr anklopfen.
Im Mediendschungel: Hast Du verstanden, was Euer Management konkret mit der altehrwürdigen WAZ vor hat? Meinst Du, dass es von Frau Borchert verstanden wird?
WAZsolls: Weiß den wirklich einer so genau, wie und wohin sich der Mediendschungel und web2.0 entwickeln werden? Was die WAZ betrifft: Ich konnte noch nicht verstehen, was unser Management vorhat, da es mich (wie üblich) nicht in seine Pläne eingeweiht hat. Bei Frau Borchert gehe ich von der Hypothese aus, dass sie im Online-Bereich das Konzept vorgibt und, wenn das Management es gutheißt, es auch zu realisieren versucht.
Im Mediendschungel: Haben Du und Deine Kollegen Angst vor dem, was da kommen könnte? Wäre es eine Gemeinheit, zu behaupten, dass dieser ganze New Media-Kram vor allem dazu dient, altgediente Redakteure
loszuwerden?
WAZsolls: Zu Frage 1: Bei allem Neuen gibt es Vorbehalte. Ängste bereiten eher die allgemein bei Tageszeitungen zurückgehenden Auflagenzahlen.
Zu Frage 2: Ja (Gemeinheit)
Im Mediendschungel: Passen lokale Inhalte und diese trendigen Blog-Sachen zusammen? Es kommt mir etwas weit hergeholt vor, dass Tageszeitungsleserin Erna E. nun Online-Tagebücher kommentieren.
WAZsolls: Was ist an lokalen Inhalten nicht trendy? Auch im Lokal-Bereich werden nur noch selten Brieftauben eingesetzt, selbst eine Lokalredaktion nutzt Computer und E-Mails. Ob Erna E. (79?) nun Blogs (Online-Tagebücher??) kommentiert, mag vielleicht etwas weit hergeholt sein, aber warum sollte Timo H. (26) nicht in die Tasten greifen?
Im Mediendschungel: Die ersten Blog-Versuche seitens der WAZ waren jedoch, mit Verlaub, eher sehr merkwürdig. Wie kamen die zustande? Ist es jetzt besser?
WAZsolls: Merkwürdig mögen die Versuche aus der Sicht alter Blog-Hasen vielleicht gewesen sein, aber ich finde dass sich Kollege Kassner (auf den Du sicher anspielst) doch gut eingebloggt hat. Wie es zu seinem Blog kam, hat er selbst beschrieben. Alles ist (fast) wahr. Inzwischen hat sich (trotz der Verriss-Erfahrungen von „ber“) noch ein weiterer Kollege von mir in die Blog-Welt gewagt. Ob das jetzt besser ist, soll das Publikum (nicht nur die Fachwelt) entscheiden. (Der Lokalchef läuft mit seinen aus dem Print übertragenen Samstagskommentaren außer Konkurrenz.)
Im Mediendschungel: Wie machen sich Lokalredakteure überhaupt als Blogger? Passt das zusammen?
WAZsolls: Da fragst Du den Richtigen, für mich passt das zusammen.
Im Mediendschungel: Haben Du und Deine Kollegen Respekt vor Frau Borchert? Immerhin ist sie von 0 (Bloggerin) auf 100 (Online-Chefredakteuse) geschossen, ohne großartig berühmte journalistische Zwischenstationen.
WAZsolls: Alle Kollegen, die schon einmal Ausflüge in die Blogosphäre gemacht haben (es sind inzwischen einige), wissen, dass Lyssa eine der Großen (nicht nur wegen der Klickzahlen) der Szene ist. Daher: Respekt. Journalismus und Bloggerei, bloggende Journalisten, sich als Journalisten aufspielende Blogger ... ein immerwährendes Diskussionsthema. Aber zu dem worauf Du hinauswillst: Sollte stattdessen ein preisgekrönter Journalist ohne Web-Erfahrung den Online-Auftritt einer Zeitung stemmen?
Im Mediendschungel: Wie fandet Ihr das Lyssa-Kanzler-Interview? Lustig? Oder eher disqualifizierend?
WAZsolls: Das hängt vom Standpunkt des Betrachters und seiner Haltung zu Angela ab. Ich habe mich amüsiert!
Im Mediendschungel: Wie sieht die WAZ in zehn Jahren aus? Ist sie dann printtechnisch eingestellt, komplett online? Oder ist das Käse?
WAZsolls: Da muss ich mal einen Blick in meine Glaskugel werfen: Ich sehe große Stapel bedruckten Papiers, die fleißige Helfer in aller Herrgottsfrühe vor die Haustüren legen. Nach der ersten Lektüre werden die Menschen ihre Rechner anwerfen und die gelesenen Geschichten im Online-Portal der WAZ direkt kommentieren...Jetzt wird das Bild in der Glaskugel etwas verschwommen. Doch ja, jetzt sehe ich die WAZ-Kunden, wie sie ein Video-Interview, das Lyssa anlässlich der dritten Amtsperiode der Kanzlerin Merkel aufgenommen hat, auf ihre Ipods herunterladen.
Im Mediendschungel: Ihr seid Inhaltespezialisten, Ihr wisst wie Ihr schreibt, wie man recherchiert und ordentliche journalistische Arbeit macht. Das sind Kernkompetenzen, die sich auch 1:1 auf das Internet übertragen lassen, ohne dass man irgendwelche Blogs, Web 2.0-Hypes oder ähnliches benötigt. Wäre es da nicht das natürlichste, einfach jemanden aus der eigenen Mitte zu bestimmen, der dieses Internet-Ding stemmt?
WAZsolls: Klar doch, so sollten wir es machen. Was soll das ganze Internet-Ding überhaupt? Wo schreibe ich hier eigentlich...? Was gehen mich neue Entwicklungen an, wir haben es immer so gemacht und dabei bleibt es (in einem Video-Interview wäre jetzt ein ironisches Grinsen des Befragten im Bild)
Im Mediendschungel: Wie kam der Dialog, der über das WAZ-Projekt in den Blogs lief, in der Redaktion an? Wird sowas überhaupt mitbekommen? Wie ich höre, bloggst Du ja inzwischen (privat) auch selbst.
WAZsolls: Wir haben es mit Interesse und Amüsement verfolgt. Wann wird man schon einmal selbst zum Thema? Das erfreut den eitlen Journalisten. Zum privaten Blog: Du hast richtig gehört.
Im Mediendschungel: Um mal kurz weg vom Internet zu schwenken - was hälst Du von der allgemeinen Medienkonzentration in NRW besonders durch die WAZ-Gruppe? Ist das noch gesund? Oder sowieso wurscht, weil
immer weniger Leute Zeitung lesen?
WAZsolls: Das ist eine Grundsatzfrage, die sich nicht in einem kurzen Interview beantworten lässt. Als gewerkschaftlich organisierter Arbeitnehmer sehe ich alles, was Arbeitsplätze gefährdet, mit Sorge. Als Zeitungsleser bin ich an Medienvielfalt interessiert, als WAZsolls hoffe ich auf sichere Redakteursstellen.
Interviews gehören für einen Zeitungs-Redakteur zum alltäglichen Leben. Mit wievielen Fragen ich bisher meine Gesprächspartner genervt habe, weiß ich schon nicht mehr. Um so spannender ist es, wenn man selbst zum Objekt der Wissbegierde wird.
So ist es mir jetzt gegangen, Ben Schwan hat sich Im Mediendschungel an mich herangemacht. Die Fragen sind, so mein Eindruck, als Provokation gedacht sicher investigativ gemeint. Hier der Wortlaut: (Ich konnte es nicht lassen, das ganze auch hier zu bringen, sorry Ben!)
(Aktuelle Anmerkung: Ben Schwan hat seinen Mediendschungel inzwischen abgeschaltet)
Im Mediendschungel: Zuerst einmal die wichtigste aller Fragen - warum glaubst Du, antwortet Katharina "Lyssa" Borchert diesem wunderbaren Weblog nicht? Nerve ich einfach zu sehr? Hat Sie Angst vor den bohrenden Fragen?
WAZsolls: Ich glaube an die einige katholische...Warum wer wem antwortet (zu früh, zu spät oder gar nicht) ist sicher keine Glaubensfrage. Da ich aus verständlichen Gründen Lyssa dazu nicht befragen werde, kann ich nur sagen: Ich weiß es nicht. Aber da Glauben bekanntlich Berge versetzt, lass uns glauben, dass sie bald antwortet.
Im Mediendschungel: Wenn Du uns in einigen Sätzen erläutern könntest, wie die ersten Wochen unter Frau Borchert aussahen, wären wir Dir sehr verbunden.
WAZsolls: Wie es unter Frau Borchert aussah...entzieht sich meiner Kenntnis, mein Redaktionsbüro liegt über ihr. Aber im ernst, für die Print-Kollegen hat sich nichts geändert, unser Chef heißt weiterhin Ulrich Reitz. In Kontakt kamen bisher nur die bloggenden Kollegen, die von ihr aufmunternde Mails erhielten.
Im Mediendschungel: Warst Du positiv überrascht von so viel
jugendicher Energie? Oder merkt man, dass Ihr Papa der langweilige Ex-Landwirtschaftsminister Borchert ist?
WAZsolls: Langweiliger Vater? Ich hab den mal in Wattenscheid im Wahlkampf erlebt und kann nur sagen, auch bodenständige Landwirte sind nicht ganz ohne. Aber wie ich schon in meinem Blog erwähnte, geht Frau Borchert erfrischend unkonventionell mit Hierarchien um. Wenn sie nicht gerade im Konzern unterwegs ist, kann man ohne einen Sekretariats-Zerberus überwinden zu müssen, einfach mal bei ihr anklopfen.
Im Mediendschungel: Hast Du verstanden, was Euer Management konkret mit der altehrwürdigen WAZ vor hat? Meinst Du, dass es von Frau Borchert verstanden wird?
WAZsolls: Weiß den wirklich einer so genau, wie und wohin sich der Mediendschungel und web2.0 entwickeln werden? Was die WAZ betrifft: Ich konnte noch nicht verstehen, was unser Management vorhat, da es mich (wie üblich) nicht in seine Pläne eingeweiht hat. Bei Frau Borchert gehe ich von der Hypothese aus, dass sie im Online-Bereich das Konzept vorgibt und, wenn das Management es gutheißt, es auch zu realisieren versucht.
Im Mediendschungel: Haben Du und Deine Kollegen Angst vor dem, was da kommen könnte? Wäre es eine Gemeinheit, zu behaupten, dass dieser ganze New Media-Kram vor allem dazu dient, altgediente Redakteure
loszuwerden?
WAZsolls: Zu Frage 1: Bei allem Neuen gibt es Vorbehalte. Ängste bereiten eher die allgemein bei Tageszeitungen zurückgehenden Auflagenzahlen.
Zu Frage 2: Ja (Gemeinheit)
Im Mediendschungel: Passen lokale Inhalte und diese trendigen Blog-Sachen zusammen? Es kommt mir etwas weit hergeholt vor, dass Tageszeitungsleserin Erna E. nun Online-Tagebücher kommentieren.
WAZsolls: Was ist an lokalen Inhalten nicht trendy? Auch im Lokal-Bereich werden nur noch selten Brieftauben eingesetzt, selbst eine Lokalredaktion nutzt Computer und E-Mails. Ob Erna E. (79?) nun Blogs (Online-Tagebücher??) kommentiert, mag vielleicht etwas weit hergeholt sein, aber warum sollte Timo H. (26) nicht in die Tasten greifen?
Im Mediendschungel: Die ersten Blog-Versuche seitens der WAZ waren jedoch, mit Verlaub, eher sehr merkwürdig. Wie kamen die zustande? Ist es jetzt besser?
WAZsolls: Merkwürdig mögen die Versuche aus der Sicht alter Blog-Hasen vielleicht gewesen sein, aber ich finde dass sich Kollege Kassner (auf den Du sicher anspielst) doch gut eingebloggt hat. Wie es zu seinem Blog kam, hat er selbst beschrieben. Alles ist (fast) wahr. Inzwischen hat sich (trotz der Verriss-Erfahrungen von „ber“) noch ein weiterer Kollege von mir in die Blog-Welt gewagt. Ob das jetzt besser ist, soll das Publikum (nicht nur die Fachwelt) entscheiden. (Der Lokalchef läuft mit seinen aus dem Print übertragenen Samstagskommentaren außer Konkurrenz.)
Im Mediendschungel: Wie machen sich Lokalredakteure überhaupt als Blogger? Passt das zusammen?
WAZsolls: Da fragst Du den Richtigen, für mich passt das zusammen.
Im Mediendschungel: Haben Du und Deine Kollegen Respekt vor Frau Borchert? Immerhin ist sie von 0 (Bloggerin) auf 100 (Online-Chefredakteuse) geschossen, ohne großartig berühmte journalistische Zwischenstationen.
WAZsolls: Alle Kollegen, die schon einmal Ausflüge in die Blogosphäre gemacht haben (es sind inzwischen einige), wissen, dass Lyssa eine der Großen (nicht nur wegen der Klickzahlen) der Szene ist. Daher: Respekt. Journalismus und Bloggerei, bloggende Journalisten, sich als Journalisten aufspielende Blogger ... ein immerwährendes Diskussionsthema. Aber zu dem worauf Du hinauswillst: Sollte stattdessen ein preisgekrönter Journalist ohne Web-Erfahrung den Online-Auftritt einer Zeitung stemmen?
Im Mediendschungel: Wie fandet Ihr das Lyssa-Kanzler-Interview? Lustig? Oder eher disqualifizierend?
WAZsolls: Das hängt vom Standpunkt des Betrachters und seiner Haltung zu Angela ab. Ich habe mich amüsiert!
Im Mediendschungel: Wie sieht die WAZ in zehn Jahren aus? Ist sie dann printtechnisch eingestellt, komplett online? Oder ist das Käse?
WAZsolls: Da muss ich mal einen Blick in meine Glaskugel werfen: Ich sehe große Stapel bedruckten Papiers, die fleißige Helfer in aller Herrgottsfrühe vor die Haustüren legen. Nach der ersten Lektüre werden die Menschen ihre Rechner anwerfen und die gelesenen Geschichten im Online-Portal der WAZ direkt kommentieren...Jetzt wird das Bild in der Glaskugel etwas verschwommen. Doch ja, jetzt sehe ich die WAZ-Kunden, wie sie ein Video-Interview, das Lyssa anlässlich der dritten Amtsperiode der Kanzlerin Merkel aufgenommen hat, auf ihre Ipods herunterladen.
Im Mediendschungel: Ihr seid Inhaltespezialisten, Ihr wisst wie Ihr schreibt, wie man recherchiert und ordentliche journalistische Arbeit macht. Das sind Kernkompetenzen, die sich auch 1:1 auf das Internet übertragen lassen, ohne dass man irgendwelche Blogs, Web 2.0-Hypes oder ähnliches benötigt. Wäre es da nicht das natürlichste, einfach jemanden aus der eigenen Mitte zu bestimmen, der dieses Internet-Ding stemmt?
WAZsolls: Klar doch, so sollten wir es machen. Was soll das ganze Internet-Ding überhaupt? Wo schreibe ich hier eigentlich...? Was gehen mich neue Entwicklungen an, wir haben es immer so gemacht und dabei bleibt es (in einem Video-Interview wäre jetzt ein ironisches Grinsen des Befragten im Bild)
Im Mediendschungel: Wie kam der Dialog, der über das WAZ-Projekt in den Blogs lief, in der Redaktion an? Wird sowas überhaupt mitbekommen? Wie ich höre, bloggst Du ja inzwischen (privat) auch selbst.
WAZsolls: Wir haben es mit Interesse und Amüsement verfolgt. Wann wird man schon einmal selbst zum Thema? Das erfreut den eitlen Journalisten. Zum privaten Blog: Du hast richtig gehört.
Im Mediendschungel: Um mal kurz weg vom Internet zu schwenken - was hälst Du von der allgemeinen Medienkonzentration in NRW besonders durch die WAZ-Gruppe? Ist das noch gesund? Oder sowieso wurscht, weil
immer weniger Leute Zeitung lesen?
WAZsolls: Das ist eine Grundsatzfrage, die sich nicht in einem kurzen Interview beantworten lässt. Als gewerkschaftlich organisierter Arbeitnehmer sehe ich alles, was Arbeitsplätze gefährdet, mit Sorge. Als Zeitungsleser bin ich an Medienvielfalt interessiert, als WAZsolls hoffe ich auf sichere Redakteursstellen.
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