Sonntag, 9. November 2008
Medienmoral
Und hier stellt die Geschäftsleitung ihre Sicht der Dinge dar.
Freitag, 7. März 2008
Donnerstag, 17. Mai 2007
Gegen die Vorratsdatenspeicherung
drei, zwei, eins ....(II.)
Toll, was es bei leserbieten.de so alles unter der Rubrik "Verschiedenes" (Angebot 800, nicht direkt zu verlinken) gibt . Muss ich mich jetzt schämen, wenn ich den Namen meines Arbeitgebers nenne?
Auch schade, dass Dolly die Batterien nicht mitliefert.
Mittwoch, 16. Mai 2007
drei, zwei, eins....
Endlich! Es tut sich etwas an der Online-Front! Jetzt geht es aber richtig los, da nimmt die WAZ mit ihrer neuen Web-Aktion gleich einen ganz Großen der Branche ins Visier.
Haaalt! Bitte nicht voreilig die Seite verlassen!
Ob das „neue“ Westeins wohl bis dahin am Netz ist?
In der Zwischenzeit kann man sich ja die Zeit vertreiben: „drei, zwei, eins....“
Montag, 14. Mai 2007
Keine Schleichwerbung
Warum habt ihr das gemacht? Ist da in der letzten Zeit etwas schief gelaufen?
Diese Fragen muss man sich als Journalist bei der WAZ-Gruppe in den letzten Tagen oft gefallen lassen, wenn das Gespräch auf den mit großem Tamtam in die Welt posaunten „Verhaltenskodex“ für die Zeitungen der Gruppe kommt.Großer Bahnhof (Bild geklaut vom Pottblog) in der Essener Philharmonie: Vertreter der Eigner-Familien, Chefredakteure und sogar der Betriebsrat waren angetreten, um vor den Augen der „(Welt-)Öffentlichkeit“ das vierseitige Vertragswerk zu unterzeichnen.
Mit zahllosen Rundmails wurden wir Redakteure aufgefordert, uns den Kodex aus dem Intranet herunterzuladen und sorgfältig zu studieren.
„Na und“ ist der meistgehörte Kommentar im Kollegenkreis „diese Regeln sind doch eine Selbstverständlichkeit, das ist doch nicht neu!“
Einmal abgesehen von Details zu Pressereisen, die wohl eher dem Reiseteil und den Autotestern Kopfschmerzen bereiten dürften, hat der Rummel um den Kodex für den einfachen Lokal-Redakteur an der Front eher positive Auswirkungen:
Den immer wieder von Medienberatern (so nennen sich heute Anzeigenvertreter) unternommenen Versuche, ihren Anzeigen-Kunden einmal ein paar Zeilen zu widmen („Der inseriert doch immer bei uns und jetzt besteht sein Geschäft doch schon seit 35 Jahren“) kann man jetzt die einschlägigen Vorschriften entgegen halten:
„Schleichwerbung in jeglicher Form ist verboten!“
Das galt ja schon immer aber jetzt hat man es endlich schwarz auf weiß. Das ganze Kodex-Getöse hat in den Redaktionen kein Erdbeben ausgelöst
Warum das ganze Projekt gerade jetzt in die Welt gesetzt wurde? Ich weiß es nicht. Auch dem Presserat liegen meines Wissens nach keine aktuellen Beschwerden über die WAZ vor. Sei es wie es sei, dann musste es eben einmal gesagt werden, dass wir in dieser Hinsicht sauber arbeiten.
Das Lupus
Danke Ralf, aber bei uns gibt es nichts entsprechendes zu rauchen.
Sonntag, 13. Mai 2007
Wenigstens nicht absteigen (Update: Schon wieder kein Heimsieg)
Mit einem Sieg über Burghausen könnte die Truppe von der Hafenstraße den Verbleib in der zweiten Loga etwas wahrscheinlicher machen.
Und es geht für den Jubiläumsverein wirklich um viel. Steigt die erste Mannschaft wieder einmal ab, dann können die Pläne für ein neues Stadtion, die schon fertig in der Schublade liegen, endgültig abgelegt werden. (Das derzeitige Stadion hat wirklich schon bessere Tage gesehen, es ist schlicht marode)
Zwar hat die Stadt für die neue RWE-Arena 7,5 Millionen Euro in den Etat eingestellt, die Haupt-Finanzlast soll aber der Haupt-Sponsor tragen. Der trägt zwar den gleichen Namen wie der Kicker-Verein, schwimmt dank unserer Strom-Gebühren aber im Gegensatz zu den chronisch klammen Rot-Weißen im Geld.
Und eben der Strom-Gigant verlangt eine gewisse Mindest-Spannung (2. Liga), wenn er sich an der Finanzierung der neuen RWE-Arena deutlich beteiligt.
Und was hat das jetzt mit den Medien zu tun?
In diesem Fall sieht sich die Lokal-Redaktion (leider kein Mannschaftsbild mit Trainer Lupus vorhanden) als geheimer Rot-Weiß-Sponsor. Es ist bekannt, dass zwar im Vorstand des Strom-Giganten eine gewisse Sympathie für die Arena-Pläne besteht (RWE-Arena hat ja für beide Beteiligten etwas Charmantes), aber einige Entscheider noch nicht so ganz überzeugt sind.
Um diese Zweifler zu "motivieren", erschienen in der Lokalausgabe aus heiterem Himmel (d.h. ohne konkreten Anlass) schon einige Vorschuss-Lorbeer-Artikel über das neue Stadion und seinen (erhofften) Hauptsponsor. Diese Aktion wird sicher noch weitergeführt.
Eines können Lupus und seine Truppe beim besten Willen nicht: Siege und Tore herbei schreiben. Das muss die Truppe von Trainer Lorenz-Günther Köstner schon selbst schaffen.
Ganz ohne journalistische Objektivität drücke ich der Mannschaft die Daumen!
Update: Es hat nicht geholfen, schon wieder gab es in der Nachspielzeit (93. Minute) den Ausgleichstreffer der Gäste: 1:1. Jetzt ist tatsächlich der letzte Spieltag entscheidend!
Samstag, 12. Mai 2007
Im Westen nichts Neues
Eigentlich wollte ich mit meiner Digicam mal einen aktuellen Schnappschuss von den Bauarbeiten an den Westeins-Redaktionsräumen machen, um dem staunenden Publikum von den Fortschritten zu berichten.
Eigentlich ist aber der letzte Beitrag auf dem Westeins-Blog vom 29. Januar noch der aktuelle Stand der Dinge, zumindest von außen betrachtet.
Freitag, 11. Mai 2007
Nabelschau (und tiefer)
Blogger sind in ihren Beiträgen doch nur selbstreferenziell. Sie betreiben lediglich eine selbstverliebte Nabelschau.
So die Kritik gestandener Print-Journalisten, die nach einem oberflächlichen Blick ins Netz meinen, die Szene überblicken zu können.
Ja, Zeitung ist doch etwas ganz anderes!
Ist sie das wirklich?
Zumindest die „neue“ WAZ dürfte inzwischen auch Fans von „Internet-Tagebüchern“ (nicht meine Definition, so sehen es aber manche Kollegen) Freude bereiten.
So berichtet heute eine Kollegin auf Seite3 in einer Geschichte zum Muttertag: „Auch Damm-Dehnübungen legt sie mir nahe. Ach, Sie wissen nicht, was ein Damm ist? Ich schweige, denn das Thema ist nicht frühstückstauglich. Nur so viel sei gesagt: Man kann dieses Körperteil ölen, zusammen mit seinem Partner massieren oder mit einem Spezialgerät trainieren.“
Ok, wenn das jetzt der Stil ist, werde ich demnächst einmal meine Leser an meinen Verdauungsschwierigkeiten teilhaben lassen und vielleicht zum Vatertag einmal einen Kollegen über seine Erlebnisse bei der Sterilisation berichten lassen.
Die Kollegin, die uns bei ihrer (Unter-den-)Nabelschau tiefe Einblicke in die Schwangerschaft gewährt, hat durchaus eine persönliche Beziehung zur Bloggerei. Nicht nur dass sie selbst für die WAZ bloggt, sie hat der Szene hier, hier, hier, hier und hier ein schönes Thema geliefert.
(Sie ist übrigens tatsächlich schwanger, es ist keine sonntägliche Frankfurter Schein-Schwangerschaft.)
Streik
Sie wollen damit die laufenden Tarifverhandlungen (Vertrag am 31.3. gekündigt) unterstützen. Die aktuelle Forderung liegt bei 6,5 Prozent mit einer Laufzeit von 12 Monaten.
Bei uns Redakteuren steht die nächste Tariferhöhung schon fest, ab 1.8. gibt es grandiose 1 (in Worten: ein) Prozent.
Umzug geschafft
Donnerstag, 10. Mai 2007
Kein Thema
Kaum ist man aus privaten Gründen einige Wochen komplett offline (nein, meine Tarnkappe wurde nicht gelüftet), wird von Westeins der erste der erste kleine Schritt in die „schöne neue web2.0-Welt“ gemacht. Westropolis heißt der neue Kulturkanal aus dem Zeitungshaus. Dafür wurden, wie bereits bei den ersten Diskussionen über den geplanten Web-Auftritt angekündigt, sogar externe Blogger eingekauft.
Um die Diskussion aus dem letzten Jahr noch einmal aufzugreifen: Hoffentlich werden die auch leistungsgerecht entlohnt und bekommen mindestens die rund 30 Cent pro Zeile, von denen freie Print-Mitarbeiter ihr Luxus-Dasein mit Auto, Handy und Internet-Anschluss (das unverzichtbare Handwerkszeug) finanzieren müssen. Dabei bin ich mir persönlich nicht ganz sicher, ob man Online-Autoren eigentlich besser bezahlen sollte als Print-Schreiber, deren Artikel letzendlich (ohne Sonder-Honorar) auch auf den WAZ-Online-Seiten landen. Aber das ist eine Diskussion, die eher in den (geschwächten) Journalisten-Gewerkschaften geführt wird, in den Print-Redaktionen ist das kein Thema.
Damit wäre ich bei dem Stichwort, das das Interesse der meisten WAZ-Redakteure am Online-Engagement des Hauses (zumindest in vielen Lokalredaktionen) ganz treffend kennzeichnet: „kein Thema“. Dass Westropolis gestartet ist, haben viele erst aus dem eigenen Blatt erfahren und dann der Seite vielleicht einen kurzen Besuch abgestattet. Kommentare zu diesem interessanten Projekt werden weder in Konferenzen, noch in privaten Gesprächen abgegeben. Nur die „üblichen Verdächtigen“, Online-Beauftragte wie Bernd Kassner oder der NRZ-Onliner Markus Peters kommentieren in den Blogs. Ansonsten herrscht freundliches Desinteresse.
Dazu kommt, dass die Neugier auf „Westeins“ mit jeder gerüchteweise bekannt gewordenen Verschiebung des Erscheinungstermins immer weiter in den Keller rutscht. Ja, es baut sich sogar trotz (oder wegen) der regelmäßigen „Wie Funktioniert das Internet heutzutage“-Geschichten eine gewisse Antipathie gegen das „Online-Teufelszeug“ auf. „Braucht man das eigentlich, auch in der Freizeit noch vor dem Bildschirm zu sitzen? Mir reicht die Zeitung! Und überhaupt, was ist eigentlich web2.0?“ fragte vor kurzem ein sonst aufgeschlossener Kollege. Dabei wurde doch gerade dieser Begriff hinreichend in der gedruckten WAZ-Ausgabe erklärt.
Und was macht zur Zeit die Westeins-Chefredaktion? Nichts, von dem ein Print-Kollege in der Lokal-Redaktion etwas erführe. Weder Rundschreiben, noch Newsletter, noch Aushänge informieren über den aktuellen Stand des Projektes. Wer die Suche-Funktion des WAZ-Intranets mit dem Begriff „Westeins“ füttert, bekommt so interessante Informationen, wie die Inventur-Richtline, auf der auch die Chefredakteurin Borchert genannt wird. Einige Informationen gibt da wenigstens der Pressespiegel her, der unter anderem auf den Artikel „Lyssas wilder Westen“ in der Süddeutschen Zeitung verweist.
Und damit haben wir wieder das alte Kommunikations-Problem in unserem Kommunikations-Unternehmen. Will ich etwas aus meiner Firma erfahren, muss ich andere Blätter zu Rate ziehen oder ins Bloggersdorf gehen. Da erfahre ich dann wenigstens, wie der ziemlich informationsfrei gehaltene SZ-Artikel so ankommt. Bei der Interviewten stößt er zumindest auf wenig Gegenliebe, um nicht zu sagen die Story hat offensichtlich dafür gesorgt, dass Lyssa „sich auf den Boden warf und mit den Fäusten trommelte“. Ok, die Story war sicher nicht das, was sich SZ-Kommentator Heribert Prantl unter Qualitäts-Journalismus vorstellt, aber das Interview wurde doch wohl gegeben, um das Westeins-Projekt auch bei Offline-Lesern bekannt zu machen oder weiter im Gespräch zu halten. Im Sinne von PR ist es doch sogar positiv zu bewerten, dass die Münchener Zeitung erst jetzt die Online-Aktivitäten der WAZ für sich als Thema entdeckt hat.
Nur, nicht jeder WAZler liest die SZ und so flaut der von der Chefredaktion im letzten Jahr geschürte Westeins-Hype in den Redaktionen langsam ab, ist eben im Alltag „kein Thema“ mehr.
Zwischen den Stühlen (Update)
Als wäre es abgesprochen. Kaum wird die WAZ-Neuschöpfung des regionalen Newsdesk in Recklinghausen über die verärgerte Leserschaft hinaus zum Thema, landet das Medienhaus Lensing in Münster einen Coup, der nicht nur bei den dort vorerst (nur) freigestellten Redakteuren für Betroffenheit sorgt. „Billig (unter Tarif) besetzten Newsdesk rein – teure (weil nach Tarif bezahlte) Erfahrung raus“ scheint das Motto zu sein, das sich die nie um eine negative Überraschung verlegenen Verleger offenbar als Handlungsmaxime für die Zukunft ihres Hauses auf die Fahnen geschrieben haben.
Wie die Reaktionen der Leser in Münster ausfallen, bleibt abzuwarten. Manchen mag es sogar egal sein und viele wissen vielleicht gar nicht, auf wessen Rücken das Relaunch ihrer Heimatzeitung ausgetragen wurde.(Obwohl man sogar au dem Westline-Portal Kritisches zur Entwicklung lesen kann.)
Vor diesem Hintergrund erscheint die „neue Regionalausgabe“ im Vest, die am „Newsdesk“ in Recklinghausen entsteht, in der Medienszene nur noch ein „Aufreger“ zweiter Ordnung zu sein. Es gab keine Entlassungen, alle werden brav nach Tarif bezahlt und die WAZ bleibt den Lesern im Verbreitungsgebiet von Recklinghausen bis Olfen erhalten.
Also auch im neuen Gewand business as usual?
Ganz im Gegenteil. Die rund 25 Redakteure haben zwar ihre festen Plätze rund um den neuen Nachrichten-Tisch, sitzen aber gleichzeitig zwischen allen Stühlen. Sie müssen nach außen hin ein Lokalzeitungs-Modell vertreten, das ihnen von Verlag und Chefredaktion als die „Zeitung der Zukunft“ diktiert schmackhaft gemacht wurde. Wenn es dem einen oder anderen Kollegen vielleicht sogar schmeckt, in einer „Avantgarde-Redaktion“ (höchster Rang auf der Chefredaktions-Lobskala) zu arbeiten, so ballen doch manche altgediente Lokalredakteure insgeheim die Faust in der Tasche. Eigentlich gewohnt, von Lesern manchmal auch negative Kritik einzustecken, waren sie von der Lawine, die sie nach dem Start der neuen Vest-Ausgabe überrollte, doch überrascht. Die Telefone standen nicht still. „Wo ist meine Lokalausgabe?“ „Was interessiert mich der Verein in Recklinghausen, ich wohne in Haltern!“ „Wenn das mein Lokalteil sein soll, dann bestelle ich die WAZ ab!“
Ich beneide die Kollegen nicht, geballten Unmut für etwas zu spüren, was andere ihnen eingebrockt haben, ist sicher kein Zuckerschlecken.
Und die Leser haben nicht ganz unrecht. Versetze ich mich in die Lage von Jens, der ja aus Olfen stammt (aber schon vor dem Relaunch in den Pott gezogen ist, also keine falschen Zusammenhänge konstruieren) und nehme mir die heutige (25.1.) Vest-Zeitung zur Hand, fühle ich mich arg im Stich gelassen. Genau auf zusammen 48 Zeilen spiegelt sich in der zwölfseitigen Regional-Ausgabe das Leben in Olfen wieder. Da können sich Leser aus Waltrop sogar über 106 Zeilen freuen. Das alles verteilt sich auf Meldungen, bei Mehrspaltern ist Fehlanzeige.
Wenn man in der „Zentrale“ Recklinghausen weit ab vom lokalen Geschehen zum Beispiel vom über 20 Kilometer entfernten Haltern arbeitet, verliert man als Redakteur natürlich mit der Zeit das Gespür, was rund um den Kirchturm so los ist. Da schlafen Kontakte ein, da kommt nicht mal eben ein Leser in die Redaktion geschneit und erzählt eine kleine Geschichte. Das merken zumindest die alten Abonnenten – und kündigen massenhaft. Über die genauen Auflagenentwicklungen wird man beim „einfachen WAZ-Volk“ natürlich nicht informiert, aber der Flurfunk vermeldet fast 1000 Abbestellungen.
Dazu kommen noch die bei der WAZ nicht ungewöhnlichen Tücken der Technik. Für Service und Wartung der Computer ist seit Jahresanfang kein eigenes Personal mehr zuständig, der Bereich wurde outgesourced. Da kann man schon einmal während der Produktionszeit gut drei Stunden auf Hilfe warten, wenn am Newsdesk kein Bildschirm mehr flimmert.
Zugegeben, in Münster hat man den Kollegen den Stuhl vor die Tür gestellt und in Recklinghausen sitzt man zwischen den Stühlen. Bequem ist das nicht, zumal man nicht weiß, ob der von der Chefredaktion propagierte Leseraustausch klappt und später stabile Auflagenzahlen für eine halbwegs gesicherte Zukunft sorgen. Wenn die Vest-Zeitung scheitert, was wird dann aus der Redaktion?
Update: Traurige Erkenntnis, aber köstlich zu lesen: Jens und das Vest (Fehst, Fest, Feh...)
Modell Recklinghausen II Update
Ich habe ja noch nicht herausbekommen, wie es um die Abo-Kündigungen im Bereich Vest steht, wenn man sich aber das WAZ-Forum zu diesem Thema ansieht (Thread von Jens eingerichtet), kann der Verlag derzeit nicht mit einer Steigerung der verkauften Auflage rechnen.
Es ist den Lesern die frühmorgendliche Zeitungs-Heimat weggenommen worden. Wenn auch sicher die Forenbeiträge nicht repräsentativ sind, so machen sie doch den Stellenwert des Lokalen deutlich. Keiner der Schreiber will die WAZ wegen ihres Mantelteils behalten, wenn die lokale Berichterstattung fehlt.
Das sollte den Damen und Herren in der Zentralredaktion zu denken geben!
Update: „Die WAZ ist für mich jedenfalls seit Samstag Geschichte.“ So der bisher letzte Beitrag im "Vest-„Abbestellungs“-Forum" der WAZ.
Inzwischen sind die Stimmen der unzufriedenen Leser auch in die Mittags-Konferenz der Zentralredaktion gedrungen. Ein Kollege berichtete vom Dienst an der Leser-Hotline. Hauptthema der Anrufer: Klagen über die neue Vest-„"Lokal“"-Ausgabe. In der Konferenz wurde auch berichtet, dass allein am ersten Wochenende der neuen Ausgabe über 300 Abo-Kündigungen eingegangen sein sollen. Inzwischen dürfte die Zahl einen vierstelligen Bereich erreicht haben.
WAZ Euro-Newsdesk
(Nachrichten-)Tischlein deck dich, aber bitte crossmedial!
Weit weg von der Provinz des nördlichen Ruhrgebietes tut sich etwas für WAZ-Verhältnisse revolutionäres. Die Mediengruppe baut in Brüssel eine europäische WAZ-Union auf. Die EU-Korrespondenten aus sämtlichen WAZ-Zeitungsländern (Deutschland, Österreich, Ungarn, Bulgarien, Kroatien, Rumänien, Serbien, Montenegro und Mazedonien) sollen in einem gemeinsamen Büro zusammengefasst werden und gemeinsam an einem europäischen Newsdesk arbeiten.
Schon im Herbst wurde WAZ-Chefredakteur Ulrich Reitz geradezu euphorisch, wenn er über das Projekt sprach. Nur die Besten aus jedem Land sollen aus dem Herzen Europas berichten. Er könne sich sogar vorstellen, in der WAZ den Bericht eines NRZ-Kollegen zu veröffentlichen. Das kommt, wenn man die scharfe hausinterne Abtrennung zwischen beiden Blättern kennt (Es gibt sogar NRZ-Kollegen, die nie einen WAZ’ler grüßen würden, ehrlich!), einer Revolution gleich.
Zwölf Redakteure soll das Brüsseler Büro an einem Nachrichten-Tisch vereinen, sogar auf die interne Amtssprache Englisch soll man sich schon geeinigt haben (dann heißt es wohl korrekt Newsdesk).
Wie man hört, soll Kooperation ganz groß geschrieben werden, es sollen in der Nachrichten-Küche sogar gemeinsam Artikel, pardon Storys, entwickelt werden. (Wenn das in Brüssel klappen sollte: Glückwunsch! – Im Lokalen gelingt das nur in den seltensten Fällen).
Wenn das gemeinsame Büro höchstwahrscheinlich am 15. Februar bezogen wird, soll es auch gleich zweigleisig arbeiten: Print und Online sollen gleichzeitig bedient werden. Ob es noch weitere „crossmediale“ Ergänzugen gibt, das drang bisher noch nicht in die Niederungen der Ruhrgebiets-Redaktionen vor.
Zukunft an der Spree - alles Klar
Wer einmal einen (tele)visionären Blick in die Zukunft werfen will, sollte einmal einen Spreeblick wagen. Medienkritik erster Klasse!
Ich bin schon gespannt, wann es die ersten Exklusiv-Interviews mit Natascha Kampusch Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar zu lesen gibt.
Modell Recklinghausen
Ab Montag (15. Januar) wird im Bereich Ostvest eine ganz andere WAZ in die neue Woche starten. Zumindest die Leser der bisher sechs Lokalteile des Gebietes werden sich an ein völlig verändertes Blatt gewöhnen müssen. Ob das nun, wie vielfach hausintern propagiert wurde, die "Lokalzeitung der Zukunft" sein soll, mögen die Leser selbst entscheiden. (Ich bin gespannt, wie zum Beispiel Jens als Ex-Olfener das Projekt beurteilt.)
Zwar geisterten in den letzten Wochen schon einige Recklinghausen-Nullnummern durch das Haus, auf meinem Schreibtisch ist leider keine gelandet. Kollegen kommentierten die Probeausgaben mit „ganz anständig“ oder „nicht schlecht gemacht“.
Die Motivation, mit einem solchen „zukunftsweisenden Experiment“ auf den Markt zu gehen, sind meiner Meinung nach ganz profaner Art: es waren rein ökonomische Gründe. Man hat im Ostvest als WAZ gegen die etablierten Heimatblätter nie wirklich einen Fuß auf den Boden bekommen.
Chefredakteur Reitz erklärte dazu vor kurzen sinngemäß, dass es ein Fehler gewesen sei, vor rund 20 Jahren dort überhaupt anzutreten. Dieser Fehler müsse jetzt korrigiert werden. Während ich persönlich diesen (wie jeden anderen) Rückzug bedauere, muss ich allerdings positiv anmerken, dass trotz der erheblichen Einsparungen (vorher rd. 60 Redakteure vor Ort, jetzt 25 Redakteure am Newsdesk in Recklinghausen) keine Planstelle gestrichen wurde und kein Kollege arbeitslos geworden ist. Deshalb blieb wohl auch der große Protest des Betriebsrates aus, als die Recklinghäuser Pläne vorgestellt wurden.
Natürlich ist es mit Belastungen verbunden, sein gewohntes redaktionelles Umfeld zu verlieren, aber der Bezug von ALG I ist doch wohl ein einschneidenderes Erlebnis. Sicher gibt es an unserem Haus immer viel zu meckern, aber wenn ich mir ansehe, was für Folgen es bei anderen Verlagen hat, wenn sie sich aus Gebieten zurückgezogen haben, da geht es uns doch Gold. Ich kann mir vorstellen, dass Kollegen den Ruhrnachrichten da andere Gefühle gegen ihren (Ex-)Verlag hegen.
Online first? (Schüsse aus Bayern)
Peng, jetzt hat es uns wieder erwischt! Nachdem sich die Aufregung um die bloggende WAZ (Wurst-Kisten-Szenario) nach fast einem halben Jahr fast gelegt hat, pfeifen den Kollegen jetzt wieder Kugeln um die Ohren. Abgeschossen werden sie in der bayerischen Provinz, genauer gesagt im Stadtpalais von Don Alphonso. Echauffierte er sich im Sommer 2006 darüber, wie die Kollegen ihre Blogs befüllten, nimmt er nun daran Anstoß, dass sie es für einige Zeit nicht getan haben. „Blogleichenschau“ nennt der nach der StudiVZ-Krimi-Serie von mir hoch geschätzte Don (ehrlich, nicht geschleimt) die Betrachtung der Essener Lokalblogs (über Freundinnen will ich mich nicht äußern, weder lese, noch habe ich sie).
Sonst durchaus der ziselierten Fabulierens mächtig, bleibt er in diesem Falle seltsam platt. So wird jedes Blog, das nicht mindestens im Wochentakt bedient wird, platt-geschrieben, wenn diese Plattitüde erlaubt ist. Wenn man sich die lokale WAZ-Bloggeria en detail ansieht, kann ich Don nur zum Teil Recht geben. Vielleicht hilft ein etwas hintergründiger Blick, das in Bayern konstatierte Erlahmen zu verstehen.
Motor der Essener Blogs ist der im Juli an der BlogBar abgewatschte Kollege Kassner. Er organisiert die Blogger, versucht die ausgewiesenen Blog-Azubis zu motivieren, überwacht die besonders bei der „Museumsleiterin“ oft heiklen Kommentare, produziert im Print die regelmäßige lokale Online-Seite und, da war doch noch etwas, ...arbeitet als ganz normaler Lokalredakteur.
Noch hat sich bei den Führungskräften der Lokalredaktion kein rechtes Online-Bewußtsein entwickelt, so dass Kollege Bernd die ganzen digitalen Dinge des Lebens quasi „nebenher“ erledigen muss. Da bleibt nicht mehr allzu viel Zeit für das eigene Blog. Auch Redakteure sind ganz normale Tarifangestellte und es steht ihnen ein entsprechender Urlaub zu. Den trat Kollege Kassner in der ersten Dezemberhälfte an, um kurz nach Urlaubsende krank zu werden (was er bis heute noch ist). Ok, den geneigten Online-Leser interessiert das nicht, warum es weiße Flecken im Blog gibt, es musste aber hier mal gesagt werden.
Soll ich weitermachen? Gut! Peter Marnitz ist derjenige, der den Online-Beauftragten Kassner im Falle des Falles vertritt. Was das bedeutet: s.o. Auch er macht das so „nebenher“ und produziert „hauptberuflich“ eine eigene Stadtteil-Ausgabe der WAZ. Klar, auch das interessiert den Leser nicht, er sieht nur die Löcher... aber auch das musste hier einmal gesagt werden.
Kommen wir zum dritten bloggenden Redakteur: Wulf Mämpel. So ganz unter uns: Die Lücke, die er in der Blogosphäre hinterlassen hat, ersetzt ihn vollkommen. Nur Chat Atkins vermisste bisher den Blogger des Jahres. (Danke noch einmal für Deine orgelnde Lupus-Beschreibung, wir haben Tränen gelacht!)
Nun, wen zählt Don Alphonso noch zur Lokal-Crew? Ursula Hickmann ist eine nette Dame mit viel Freizeit und viel Engagement. Sie hat schon viele Zeilen in der Printausgabe gefüllt – als Leserbrief-Stammschreiberin. Zugegeben, das kann man aus dem fernen Bayern nicht so genau sehen ... aber auch das musste mal gesagt werden.
Und damit mich der Robert nicht wieder beim Lamentieren erwischt, höre ich auch schon mit dem Entschuldigen Erklären der WAZ-Essen-Blog-Winterpause auf. Aus seiner Sicht hat der Don schon recht, Blogs brauchen Kontinuität (Danke, dass Du nicht auch noch meine Schaffenspause unter Beschuss genommen hast). Aber auch bin mir sicher, dass ich nicht ganz verkehrt liege.
Es läuft doch wohl darauf hinaus, dass Online endlich auch in den Lokalredaktionen ankommen muss. Es geht einfach nicht, dass alle digitalen Aktivitäten (Foren, Blogs etc) von Freiwilligen so nebenher bedient werden. Der geplante große Auftritt des Lyssa-Projektes darf nicht bei Westeins halt machen. Wenn die Lokalredaktionen ein Fundament des Webauftritts werden sollen, dann bitteschön schafft auch die personellen Möglichkeiten. Die beiden Kollegen hätten sicher gern mehr Zeit, die Lokalredaktion digital zu vertreten. Wenn es beim Blog- oder Forenlesen dann heißt „Du hast ja nichts zu tun, du surfst doch nur rum, schreib leiber noch mal schnell die Meldungsspalte voll...“, dann merkt man noch immer, dass „online“ noch lange nicht in der Lokalredaktion angekommen ist.
Ich glaube meinem Chefredakteur, dass er es mit dem „online first“ ernst meint. Aber er sollte das den Fürsten im Lokal-Bereich auch einmal ganz deutlich klarmachen. Sonst funktioniert das nicht mit der lokalen Basis bei Westeins. Oft verwechseln die lokalen Redaktionsleiter online noch mit „langer Leitung“, die sie in diesem Bereich selber haben.
WESTEINS bloggt (update)
Beinahe hätte ich es übersehen: Das erste Westeins-Blog ist da! Keine geringere als „KBorchert“ hat die ersten Beiträge verfasst. Wenn das kein prominent besetzter Start ist!
Aber Ironie off, Stellenanzeigen als Blog anzulegen, wenn Blogger gesucht werden, das hat wenigstens begrenzten Witz. Was leider bisher noch nicht das Licht der WAZ-Welt erblickt hat, ist ein eigenes hausinternes Mitarbeiter-Blog, wie ich es schon gefordert habe, als es das WAZsolls-Blog noch gar nicht gab. Da hat man schon eine kommunikative A-Bloggerin im Hause – und nichts passiert. Wäre doch schön, wenn man an der Sachsenstraße (WAZ-Sitz) eine eigene Blog-Spielwiese bekäme.
Aber, wie ich das Haus kenne, waren es sicher wieder unüberwindliche Hard- und Software-Hürden, die die Idee zum Scheitern brachten. Schade eigentlich. Auch mit dem Wissen, dass man sicher beim internen Bloggen vorsichtiger formulieren würde, ist das eine nicht genutzte Chance der Mitarbeiter-Kommunikation.
Update: Kurz nach Erscheinen einiger Beiträge zum Westeins-Blog, in denen man zum Beispiel das Fehlen der Kommentar-Funktion bemängelte, wurde die Möglichkeit in Essen freigeschaltet. Ist schon komisch, Stellenausschreibungen als Blog und dann dazu Bewerbungen als Kommentare. Ein echter Innovations-Schub!